Convergence Center in Rostock

Frühling, Sonne, Widerstand - kommt zum CC-Ostseestrand
Mittlerweile hat sich in der ehemaligen Ehm-Welk-Schule in Rostocks Evershagen einiges getan. Seit dem 10. März sind AktivistInnen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt dabei, das Convergence Center (CC) für die Proteste gegen den anstehenden G8 Gipfel aufzubauen und die 55 leeren Räume der Schule, für die am Widerstand beteiligten Gruppen und Leute nutzbar zu machen. Die Stadt Rostock übergab die Schule den Organisationen unter der Bedingung, dass Leute dort schlafen, um das Gebäude vor Vandalismus zu schützen.
Das CC nimmt aber nur einen Teil der Schule ein. Die andere Hälfte wird von NGO's und Arbeitsgruppen wie der demoAG (Hauptorganisatoren der Grossdemonstration am 2. Juni) oder der campAG und Aktionsgruppen wie blockG8 oder attac genutzt. Aber auch alternativen Medienorganisationen wie indymediaoderg8TV wird hier Platz geboten Berichterstattung zu betreiben. Neben "Erste Hilfe" Kursen und Infoveranstaltungen, werden auch Aktionstrainings und konkrete Aktionsvorbereitungen (z.B. die Strassenblockaden am Di/Mi/Do) stattfinden. Hier werden aber auch Fahrräder repariert, um es möglichst einem Jeden ermöglichen zu können, nach Heiligendamm zu kommen.
Jule, die von Anfang an dabei war, erzählte mir, dass in den drei Convergence Centers (auch in Berlin und Hamburg) internationalen AktivistInnen aus der ganzen Welt die Möglichkeit geboten wird Kontakte zu knüpfen, sich informieren zu lassen, mit Mahlzeiten versorgt zu werden und natürlich zu schlafen, neben der bereits erwähnten Möglichkeit an Workshops und Arbeitsgruppen aktiv teilzunehmen. Ich fand es sehr beeindruckend zu beobachten wie gut organisiert, zielstrebig und motiviert die Beteiligten an den Übungen und Aktionsvorbereitungen waren. Wer meint, dass Chaos und Unordnung im CC herrscht, dem sei gesagt, dass nahezu alle TeilnehmerInnen, BewohnerInnen und AktivistInnen ein klares politisches Ziel verfolgen: Widerstand zu leisten. Und dieses Vorhaben soll bis genauestens durchgeplant und strukturiert sein.
Ute aus Bielefeld meinte sogar, dass sie seit dem sie hier in Rostock ist noch keinen Schluck Alkohol getrunken hat und sich auch nicht in irgend einer anderen Form berauscht hat, da sie hier ist, um politisch aktiv zu sein und deshalb bei klarem Kopf bleiben muss. So nebenbei meinte sie noch, sei sie ansonsten ohnehin immer "breit".
Angenehm überrascht war ich auch von der Einstellung und Meinung der Anrainer gegenüber dem CC. So erzählten mir drei Mütter, auf einem unmittelbar angrenzenden Kindergartenfest, dass sie es eigentlich in Ordnung fänden "was die da machen. Denn es ist ja wichtig denen zu zeigen, dass nicht alles so richtig läuft." Mit "die da" seien übrigens die Bewohner des CC gemeint und mit "denen" die üblichen verdächtigten Vertreter, der acht am häufigst erwähnten Länder der letzten Tage. Andere meinten, sie hätten auch kein Problem mit dem CC, bis auf den Hundedreck, "den macht natürlich niemand weg". Doch das war auch schon der einzige Kritikpunkt, von den in der Nähe wohnenden Menschen.
Es ist eher die Stimmung der Bevölkerung bezüglich des G8 Gipfels, auf meine bisherigen Erfahrungen rückblickend, negativ und skeptisch. Der Grossteil der Bevölkerung, hat ein Problem damit, dass Millionen Euro an Steuergeldern für den grössten Polizeieinsatz in der Geschichte Deutschlands, vergeudet werden.
"Was machen diese G8 denn eigentlich? Warum machen die diesen Gipfel denn überhaupt? Es hat sich sowieso noch nie was verändert. Ganz im Gegenteil, es wird doch alles nur noch schlimmer", konterte die durchaus lebenserfahrene Beate auf meine Fragen.
Solche und ähnliche Fragen konfrontierten mich in fast allen Gesprächen. Der Unmut der Bevölkerung ist absolut spürbar und ich glaube, dass dieses Treffen der "Grossen 8", das Bewusstsein vieler Menschen, in eine ganz klare Richtung verändern wird. Auch wenn nicht jeder dieselbe Meinung, die G8 betreffend, teilt, so liegt alleinig durch solche Dimensionen eines Polizeieinsatzes, die Vermutung nicht fern, dass in unserer Welt so einiges nicht ganz rund laufen kann. Das wirklich paradoxe an diesem Meeting der Dinosaurier der Industriestaaten, ist dieses perfekt inszenierte Medienspektakel, dass im Vorfeld und natürlich auch während dieses Gipfels abgezogen wird. Die Verursacher des tristen und traurigen Daseins der Welt, stellen sich gleichzeitig als Löser aller Probleme hin?
Ich glaube, dass man allmählich nicht mal mehr ein aussergewöhnlich grosses Interesse für Politik aufbringen muss, um zu erkennen oder zu bemerken, dass schnellstens mit grundsätzlichem Umdenken auf globaler Ebene begonnen werden muss, um auch noch unseren Kindern eine lebenswerte und intakte Welt bieten zu können. Und wenn man sich in diesen Tagen in Rostock umsieht, so erscheint es doch so, als gäbe es nahezu niemanden der diesem Treffen etwas Positives abgewinnen kann.

